Mittwoch, 2. Januar 2008
Dieses Kribbeln im Bauch...
Seit mittlerweile 3 Wochen cruisen wir durch South Australia. Den American Way of Life laengst hinter uns gelassen, begegnen wir hier schroffen Felskuesten, gruenen Huegeln mit Schafen und Stein Cottages wie in Irland. Landschaftlich also ungeheuer reizvoll.
Nach mehreren Wochen Outback sind wir der Austrocknung nahe ans erstbeste Meer geduest, auf den Strand gebrettert und haben uns ohne zu zoegern ins Meer geworfen. Schneller als wir rein sind waren wir dann aber wieder draussen. Eiswasser!!! Warum es so kalt ist, haben wir dann auf einem Schild am naechsten Strand erfahren: Die Artenvielfalt hier im Meer sei so unglaublich gross, da es sich um auesserst fruchtbares Wasser direkt aus der Antarktis handelt!
Wunderbar! Wir wuerden ein bisschen weniger Artenvielfalt gerne gegen 5 Grad mehr tauschen, aber uns fragt ja keiner! Unsere Surferkarriere haben wir jetzt sprichwoertlich erstmal auf Eis gelegt, denn ohne Neoprenanzug spuert man nach spaetestens zehn Minuten nichts lebendes mehr an sich...
Zusaetzlich hat auch das Wetter beschlossen sich der Antarktis anzupassen und wir froesteln bei Regen, Wind und Wetter in kurzen Hosen vor uns hin...In der Annahme wir braeuchten sie nicht mehr, haben wir naemlich unsere gesamten warmen Sachen im Outback an die Heilsarmee verschenkt. Eine im Nachhinein unglaublich glorreiche Idee, da wir jetzt alles neu kaufen muessen und die Outbacker (?) bei 45 Grad im Schatten mit Sicherheit nicht wissen, was sie mit gefuetterten Kinderstrumpfhosen anfangen sollen....Damit uns auch bloss nicht langweilig wird, ist unser Dach seit dem letzten Hagelsturm undicht und bei Regen hetzen wir von einem Loch zum naechsten um es mit saugstarken Windeln zu stopfen, waehrend Bela froehlich: ein Loch ist im Auto, Karl-Otto, Karl-Otto...singt!
Abgesehen davon, soll es hier bei schoenem Wetter aber ausserst reizvoll sein und wir haben beschlossen noch eine Weile auszuharren um das mit eigenen Augen zu sehen.
Gestern, beim ersten Sonnenstrahl haben wir entschieden die legendaere Great Ocean Road zu befahren. Auf jeden Fall ein Abenteuer fuer sich!
Diese Kuestenstrasse, einst von heimkehrenden Kriegssoldaten erbaut, um aehnliche Attraktionen wie Kalifornien und die Cote d'Azur bieten zu koennen, ist die Touristenattraktion der Suedkueste schlecht hin!
Karawanen von Autos bewegen sich in beide Richtungen der schmalen Strasse um alle 300 Meter bei einem Lookout Point anzuhalten. Bei den ersten Stopps springt man noch voller Elan aus dem Auto um die imposanten Felsen im Meer zu bewundern, spaetestens nach dem 10. Stop aber bleibt man lieber im Auto sitzen und laesst den Rest der Gruppe ein Foto fuer einen mitschiessen. Zu beschwerlich ist der Weg durch die Praerie zurueckzulegen. Dreisterweise hat man naemlich diese Prachtstrasse nicht DIREKT ans Meer gebaut, sodass man sogar noch aussteigen muss, um sich das Naturereignis anzusehen. So sind auch die Parkplaetze der Great Ocean Road besser besucht als die Aussichtspunkte. Man sieht es dem genervten Touristenauge an, aehnlich einem Drive-in Schalter bei McDonalds wuerden sie lieber an den Felsen vorbeituckern und vom Auto aus Bestellungen der schoensten Fotos fuers Album aufgeben.
man kann es ihnen aber nicht wirklich veruebeln, denn die mit Abstand nervigste Sache hier wurde noch gar nicht erwaehnt: Die Fliegen!
Egal wo, im Laden, auf dem Campground, am Strand und sogar beim Surfen im Wasser fliegen sie in Scharen um einen herum! Nach der fuenften verschluckten Fliege wird nicht nur einem Vegetarier uebel und dieses Kribbeln im Bauch danach macht sogar hochgradig Verliebten Konkurrenz.....Unglaublich auch, dass man es schafft einen 750 Seiten dicken Lonely Planet Australien zu schreiben, ohne das Wort Fliege auch nur ein einziges Mal zu erwaehnen!! Wieder und wieder haben wir die Seiten gewaelzt, in der Hoffnung auf Tipps gegen diese Plage. Wenn man Einheimische fragt, heisst es wedeln, wedeln, wedeln..und genau das tun alle Touris dann auch den ganzen Tag. Mit der Energie, die allein an den Lockouts der Graet Ocean Road jeden Tag verwedelt wird, koennte man eine mittelgrosse Stadt mit Energie versorgen! Aus dem Auto trauen sich die meisten sowieso nur noch mit Fliegennetzen um den Kopf. Wir gehoeren zu den wenigen Mutigen die sich ohne trauen muessen, da unsere als Tarnnetze fuer die Spielzeugpanzer unseres Sohnes fungieren, und auf keinen Fall entfernt werden duerfen! Sowas muss man natuerlich respektieren!
Wer keine Netze besitzt, bedeckt sich mit Jacken, Decken oder Handtuechern, die nur ganz kurz fuer die Fotos mal angehoben werden.
Nur den Mund beim Lachen bitte nicht aufmachen, ansonsten: Guten Appetit!

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Dienstag, 4. Dezember 2007
Umschwaermt von vielen....
Niemand haelt sich fuer gewoehnlich laenger als drei Tage am Ayers Rock auf. Fuer genau diese Zeit wird der Pass fuer den Nationalpark ausgestellt und das bietet einem die Moeglichkeit zur Bergumrundung, jeweils 1x Sonnenuntergang und Sonnenaufgang und einen Tag am Pool um diese geballte Ladung Kultur zu verarbeiten und sich von der Hitze zu erholen. Bei all dem flachen, oeden Land hier wirkt dieser riesige rote Felsen natuerlich ungeheuer imposant und auch die Felsmalereien sind interessant, aber so richtig kann man den Hype der um diesen heiligen Berg der Aborigines gemacht wird nicht nachvollziehen, vor allem nicht wenn man bedenkt, welchen untergeordneten Status sie innehaben und welch trostloses Dasein sie in der Regel am Rand der Staedte fuehren weil sie nicht akzeptiert werden....Angesichts dieser Tatsache wirkt der Run auf den Berg geradezu bizzar...
An dem Tag als wir von hunderten von Fliegen umschwaermt den Ayers Rock besichtigt haben, hat eine Touristin mit ihrem Thermometer dort 50 Grad gemessen. Demenstprechend kurz waren wir dann auch dort, denn ohne schattenspendende Baeume und mit Fliegen in Mund, Nase und Augen waren wir nach einer halben Stunde erledigt.
Die beiden Hauptattraktionen am Ayers Rock sind natuerlich Sunrise und Sunset! Die Schoenheit des Ganzen wird allerdings getruebt durch unzaehlige Touristenmassen, die sich morgens und abends aus ihren klimatisierten Hotelzimmern bewegen um dem Spektakel beizuwohnen.
Das ertraeglichere dieser beiden Ereignisse ist der Sonnenuntergang, und beim Anblick des gluehend roten Felsens vergisst man auch schon mal die ca 5000 Fotos die gerade um einen herum geschossen werden! Der Sonnenaufgang allerdings bietet Unterhaltung a la Hollywood. Busladungen voller Touris, alle mit Wanderstiefeln, Outdoorausruestung und Tropenhelmen bewaffnet als wollten sie den Himalaya besteigen, werden in aller Fruehe bei den Hotels abgeholt und bieten sich mit unzaehligen Campervans ein Rennen auf der schmalen Strasse zum Nationalpark. Beim Parkeingang dann wildes Gehupe, Gedraengel und Geschimpfe weil die Kreditkartenautomaten zum Bezahlen nicht schnell genug funtkionieren, und dann sobald man die Schlange am Eingang hinter sich gelassen hat, geht die Jagd auf den besten Sichtplatz weiter. Dort angekommen werden die Picknickkoerbe und die Stative fuer die Kameras aufgestellt. Die Touris aus den Bussen kriegen alle n Kaffee und nen Klappstuhl in die Hand und werden am Strassenrand abgesetzt.
Und dann gehts los, die Sonne taucht aus der Steppe auf, die Unterhaltungen verstummen und man hoert lauter Ahhhs und Ohhhs.
Dann steht die Sonne am Himmel, Spektakel vorbei, die Busse schmeissen die Motoren an und pfeiffen die Touris zurueck. Die Stuehle werden eingeklappt, Becher entsorgt und ab gehts zurueck zum Pool, denn die Hitze hier haelt ja keiner laenger aus!

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Dienstag, 27. November 2007
Warten auf den Termitenhuegel.....
Will man seine verwoehnten, konsumorientierten Kinder mal auf den Boden der Tatsachen zurueckbringen, dann sollte man mit ihnen durchs australische Outback fahren! Hier freuen sie sich ploetzlich ueber warmes Wasser zum Trinken und dreckige Eistruhen an einsamen Tankstellen. Und anstatt einem genervten: Wie, die haben nur EINEN Pool auf dem Campground?! hoert man dann: Wow, die haben sogar Duschen!
Und Ansammlungen von Termitenhuegeln im platten Land auf die man 100 Km wartet, fuehren zu wahren Begeisterungsrufen! Ansonsten ist das Ganze hier aber alles andere als witzig, man spuert wie hart und einsam das Leben hier draussen ist,und nach stundenlangem Gepolter auf roten Sandpisten ist nahezu jeder Traveller bereit fuer ein kaltes Bier zu toeten....Wir kennen ja immerhin schon das Death Valley und die Wueste von Nevada und Mexico, aber das hier sind ganz andere Dimensionen!Wenn man Glueck hat kommt schon nach 100 Km ne Tankstelle, meistens aber erst nach 300 und mehr Km...und dann kommt auch nur ne Tankstelle!! sonst nichts....ganz selten auch schon mal Grossstaedte mit bis zu 70 Einwohnern...der Rest sind endlos lange pfeilgerade Strassen vorbei an ausgetrockneten, gelben Weiden, unzaehligen toten Tieren und brennenden Waeldern!Das macht dann die Pausen bei 45 Grad im Schatten (den es aber leider nicht gibt!) am Wegesrand noch unertraeglicher....Nachts ersetzen wir unsere fehlende Klimaanlage dank eines Tipps einer Einheimischen mit Back-Sodacarbonat!Damit schmieren wir uns dann ein und liegen weiss eingepudert schwitzend nebeneinander im Bus. Sander sieht dann aus wie ein Aboriginee Kind mit Kriegsbemalung...ansonsten koennen wir uns aber nicht beschweren, unser Bus faehrt uns bis jetzt ohne Probleme durch diese Hitze, was - wie man neidlos anerkennen muss - vor allem Petes Verdienst ist. Er kuemmert sich um alles wie Oelwechsel und Reifendruck, und bis jetzt mit Erfolg. Sein einziger Faux Pas war, dass er in den ersten Tagen der Reise allen erzaehlt hat, wir haetten einen Nissan gekauft, bis ich ihn gefragt hab, warum denn dann Toyota hinten drauf steht, wenn wir doch nen Nissan haben?!
Bis gestern kamen wir uns sogar richtig abenteuerlich und heldenhaft vor, hier ganz allein durchs Outback zu duesen - denn viele Traveller sieht man nicht mehr - dann aber haben wir gelesen, dass letztens einer zu Fuss diese ganze verdammte Strecke von der Nord an die Suedkueste glaufen ist!Und das in nur 41 Tagen, das bedeutet, mehr als 140 Km am Tag! Das schmaelert unseren Triumpf natuerlich ein wenig wenn wir unten ankommen, aber deshalb freuen wir uns nicht weniger drauf! endlich wieder Meer und Menschen und erfrischende 35 Grad......

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